Entschleunigen im Sinai

Aussteigen

Entschleunigen im Sinai


Familie Reichert im Sinai

Korallenriff vor der Tür, Beduinen als Nachbarn, eine Bambus-Hütte als Schlafzimmer: Mit dem Ferien-Camp “RockSea“ am Roten Meer hat sich Familie Reichert aus Köln ihr eigenes Paradies geschaffen. Ein Phase3-Report.

Das Lagerfeuer knistert. Die Nacht ist kalt und sternenklar. Im Beduinenzelt haben Ricarda (40), Michael (54) und Roxy (15) Reichert sich in Decken gewickelt. In einer Blechkanne über dem Feuer brodelt das Teewasser. Ein Beduine mit Turban reitet auf einem Kamel am Zelt vorbei und grüßt “Salam” (arab. “Hallo”). Kein Film aus TausendundeinerNacht – sondern Alltag im „RockSea“. Das Beduinenzelt ist das Wohnzimmer der Auswanderer-Familie. Jeden Abend trifft sie sich hier, setzt sich auf die großen Bodenkissen und erzählt von den Ereignissen des Tages. Jeden Abend dabei: Gäste aus aller Welt.

Ruhe tanken in schroffer Bergkulisse

In 22 Bambus-Hütten machen seit vier Jahren Familien, Cliquen, Liebespärchen und Alleinreisende Urlaub, genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes. Sharm El Sheik, die Touristen-Hochburg an der Südspitze der Sinai-Halbinsel, ist 160 Kilometer entfernt. Die ägyptische Hauptstadt Kairo 480 Kilometer. “Wir waren ’93 das erste Mal hier, mit dem Wohnmobil und haben uns sofort in diese Gegend verliebt”, sagt Bewegungstherapeutin Ricarda und nippt am zuckersüßen Beduinen-Tee. Der nördliche Sinai mit seiner schroffen Bergkulisse und den einzigartigen Korallenriffen lässt die Familie nicht mehr los.

Zurück in Nordrhein-Westfalen träumen die Reicherts sich immer wieder an ihren Urlaubsort. “’97 sind wir zurückgekehrt. Dieses Mal für acht Monate”, erzählt Musiker Michael. Tochter Roxy (damals 5) schicken die Eltern in den Beduinen-Kindergarten. Sie schlagen sich mit einem kleinen, zerfledderten Sprachführer durch, leben von Erspartem. Während Roxy Freundschaften schließt, und Michael wegen seines Jobs immer wieder nach Deutschland fliegt, gewinnt Ricarda das Vertrauen der Beduinen-Frauen. Sie nehmen die Deutsche unter ihre Fittiche, bringen ihr geduldig Arabisch bei. Trotzdem: Noch sind die Reicherts nicht so weit, alle Brücken in Deutschland abzubrechen. Familie, Freunde, Job…

Einschlafen mit Meeresrauschen im Ohr


Einsames Strand-Idyll

Erst 2002 kommt die Chance, die sie sich nicht entgehen lassen: Ein Beduine bietet den Reicherts ein Stück Land zum Kauf an. Genau das, das sie vom ersten Moment an so begeistert hat. Der gold-gelbe Berg, der 400 Meter lange Strand, 65.000 Quadratmeter Land für ein eigenes Feriendorf: “Wir haben genau eine Minute überlegt”, erinnert sich Ricarda. Die Familie verkauft ihre Doppelhaushälfte bei Köln, lässt ihr Hab und Gut verschiffen.

Aus dem Nichts baut die Auswanderer-Familie Bambus-Hütten für Feriengäste, eine Cafeteria, zwei Badehäuser, Holzpavillons und Schlafhütten für sich selbst. Das einzige, was noch fehlt: ein Name! “Wir haben hin und her überlegt. Dann kamen wir auf ,RockSea’ – Berg und Meer. Das passt doch perfekt! Und es klingt auch noch wie der Name unserer Tochter”, erzählt Michael. Ricarda, Michael und Roxy haben ihren “Umzug” noch keine Sekunde bereut. Sie lieben ihr einfaches Leben ohne Post, Radio und Fernseher. “Erst hier haben wir gemerkt, wie wenig man zum Glücklichsein braucht!”

Weiterführender Link:

Homepage Ferien-Camp “RockSea”



Kommentar schreiben

Sie müsseneingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.