Das Model und der Freak

Bizarre Karriere

Das Model und der Freak

Vor zwei Jahren verschwand der Kölner David Schumann (31) in den tiefen Straßenschluchten Tokios. Als er wieder auftauchte, prangte sein Gesicht auf den Titelblättern der großen japanischen Modemagazine.

Ein Erdbeben im April, eine mysteriöse Unbekannte schoss ein Foto, sein tatöwierter Körper. Es war eine Kaskade von Zufällen. Und: David fiel auf. Punkrocker. 1,88 Meter groß. Japans Ausländeranteil beträgt nur 1,5 Prozent. Die meisten davon Chinesen und Koreaner. Einen fremdartigen Charakter wie David hatte die Modelagentur Exileshype gesucht.

Der Schlüssel zum Erfolg war mehr als Davids Äußeres. Der Japanologie-Student ging nach Tokio, um sein Japanisch weiterzuentwickeln. „Heute denke ich japanisch, ich träume sogar japanisch“, sagt David zu Phase3. „Ich kapiere, was die Fotografen und Stylisten bei Aufnahmen von mir wollen.“ Er spürt die Atmosphäre, er verwandelt sich. Mal ist er der wilde Typ von der Straße, dann posiert er in Abendgarderobe in einer Hotellobby im 34. Stockwerk.

Fotomodel – anfangs eine extrem absurde Vorstellung für David Schumann. Heute pendelt er zwischen zwei Welten. In der Megametropole lief er gerade auf den Schauen der „Tokyo Collection“. Den Laufsteg mag er nicht, zieht das Fotostudio vor. Aber von den Yens, die er so verdient, kommt er auch in Köln über die Runden. „Die Gagen für Models sind hier viel höher als in Deutschland“, sagt Schumann im Gespräch mit Phase3.

Erdige Kölner Hardcoreclubs – Luxussuiten und ein eigener schwuler Fanclub in Tokio. Kölsch mit alten Kumpels, dann wieder fünf Monate Happoshu, das japanische Bierimitat. David hat sich an die Gegensätze, die seine Karriere mit sich bringt, gewöhnt. Nur die Erdstöße, die von Zeit zu Zeit Nippons Erde zittern lassen, verstören ihn noch immer.



Kommentar schreiben

Sie müsseneingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.