Der gefallene Universal-Soldier steht wieder

Scheitern im Job

Der gefallene Universal-Soldier steht wieder

Tim Renner
Tim Renner

Tim Renner (42) wurde schon als 36-Jähriger Chef bei Universal Music Deutschland. Aber mit seinen innovativen Ideen eckte er an – deshalb musste er drei Jahre später weder gehen. Sein Traum war ausgeträumt, das Scheitern beispiellos.

1994 begann der große Aufstieg von Tim Renner (42). Er gründete das Label Motor Music, baute es im Auftrag des Musikkonzerns PolyGram auf. Renner machte Künstler wie Element of Crime, Virginia Jetzt und Sportfreunde Stiller berühmt. Mit Rammstein feierte der Berliner sogar international Erfolge. Zusammen mit den Deutschrockern stieg auch Renner selber auf. Zum Musikchef von Universal Deutschland wurde er 2001 befördert.

Doch dieser Aufwärtstrend hielt nicht lange. „Ich konnte mich damals kaum durchsetzen, das war sehr frustrierend – ich agierte irgendwie fremd gesteuert“, sagt Renner heute. Durch den mp3-Markt, illegale Downloads und schwächelnde Verkaufszahlen stand Universal 2004 kurz vor der Pleite – Renner musste gehen.

“Die großen Labels haben begriffen, dass das Internet kein Teufelszeug ist”, sagt Renner

Was folgte war eine Auszeit: Der Unternehmer ging auf Weltreise, schrieb ein Buch und kehrte mit neuem Elan zurück. 2005 startete er sein Projekt Motor Music neu. Arbeitete wieder unabhängig von einem großen Unternehmen. Doch Motor Music ist nicht mehr nur eine reine Plattenfirma. Seit Beginn diesen Jahres hilft das Unternehmen jungen Bands auf die weltweiten Downloadplattformen und ermöglicht ihnen so, ihre Musik auf digitalem Wege zu verbreiten. „Die großen Labels haben nun begriffen, dass das Internet kein reines Teufelszeug ist, und fangen an, es als Vermarktungsplattform zu nutzen”, sagt Renner.

Dabei hilft er seinen Künstlern mit MotorFM, dem eigenen Online-Radiosender, und MotorTV, dem Online-Fernsehsender. Erst wenn die Internetnutzer die Bands häufig anklicken, bekommen die Künstler die Chance, bei Motor Music eine eigene CD zu veröffentlichen.

Ein Konzept, mit dem Renner Erfolg hat. „Digitales Radio wird sich durchsetzen, genauso wie die digitale Distribution von Musik. Dadurch wird ein endloses Angebot entstehen. Kleinstbedürfnisse können befriedigt werden.“, so der Unternehmer. „Die Digitalisierung bietet zudem den großen Vorteil der Interaktivität.“ Diese nutzte er für sich und seine Bands – ein Neustart nach dem großen Scheitern.
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